Powers John´s Lane 12yo

Powers John´s Lane 12yo

An diesem Whiskeyfreitag darf ich euch einen wunderschönen Standard aus der Midleton Distillery an die Hand geben, den Powers John´s Lane.

Im Jahr 1966 gab es in der Republik Irland nur noch drei Whiskeybrennereien (im Norden gab es zu diesem Zeitpunkt auch nur noch Bushmills), und auch diese drei Brennereien hatten massive Probleme und waren teilweise nur noch wenige Woche im Jahr in Betrieb.

Die irische Whiskeyindustrie, die im späten 19. Jahrhundert noch Weltmarktführer war, hatte unter verschiedenen Dingen gelitten und war brutal geschrumpft. Einerseits war es natürlich die irische Unabhängigkeit, die den Markt im UK und im Commonwealth verschlossen hat, dank Handelsembargos, die in Westminster beschlossen wurden, andererseits war natürlich auch die Prohibition in den USA nicht wirklich hilfreich für den Whiskeyabsatz. Weiters hat sich die irische Whiskeyindustrie mit Händen und Füßen gegen die Einführung von Columnstills gewehrt und dann gab es auch noch einen Ausfuhrstopp der irischen Regierung für auf der Insel produzierte Waren,….. Alles in Allem eine schwierige Gemengelage, teilweise auch ein wenig selbstverschuldet, teilweise aber auch von Außen auf die Whiskeyindustrie hereinprasselnd.

Das führte zu einem Brennereisterben in der Republik Irland, bis nur noch drei davon übrig geblieben sind, nämlich die Cork Distillery Company in Midleton sowie John Jameson & Son und John Power & Son aus Dublin. Im Jahr 1966 wurden diese drei Firmen auf Initiative von Frank O´Reilly von der Powers Familie hin zu Irish Distillers fusioniert, damit der runiöse Kampf um den sehr kleinen Heimatmarkt ein Ende hat und man sich gemeinsam auf die Expansion in andere Länder kümmern kann.

Um die John´s Lane Distillery zu ehren

Die Marken aller drei früheren Brennereien wurden dann noch weitergeführt, aber für die internationale Expansion wurde dann die Marke „Jameson“ ausgewählt, obwohl zur Hochblüte die Marke „Powers“ alle anderen überstrahlt hat.

Powers führt im deutschsprachigen Bereich eher ein Nischendasein, das aber völlig zu Unrecht. Und auch bei Irish Distillers hat man entdeckt, dass man den internationalen Markt auch mit vielen Marken beackern kann.

Powers wurde früher in der Brennerei in der John´s Lane in Dublin hergestellt, diese Destillerie gibt es inzwischen nicht mehr, aber um ihr dennoch ein flüssiges Denkmal zu setzen, wurde dieser Powers 12yo mit dem Beinamen „John´s Lane“ versehen, und dieser Whiskey zeigt auch, welches Potential in Pot Still Irish Whiskey steckt.

Um sich von Redbreast ein wenig abzugrenzen, der ja eher für Sherrywhiskeys bekannt ist, wird Powers Whiskey vorrangig in ex-Bourbon Fässern gelagert.

Fakten zum Powers John´s Lane 12yo

Produzent: Midleton Distillery, Midleton, Co. Cork, Republic of Ireland
Abfüller: OA
Alkoholgehalt: 46,0 % ABV
Inhalt: 0,7 Ltr.
Distilled: k.A
Bottled: 2021
Alter: 12 Jahre
Fass: American bourbon casks, Oloroso sherry butts

Meine Notizen

Farbe: Gold
Nase: Karamell, Pfirsich, süß, Zuckerwatte, Waldboden, Kräuter
Gaumen: Vanille, Honig, Eiche, Würze, leicht bananig
Abgang: mittellang, würzig, Vanille, Waldhonig, Kräuter

Meine Bewertung: Ich gebe 85 Punkte für den Powers John´s Lane. Ich mag diesen Whiskey wirklich sehr gerne, und da bin ich sicherlich nicht der Einzige. Weitere Bewertungen zu diesem Single Pot Still gibt es auch wieder auf www.whiskybase.com.

Zum Schluss noch ein Whisky-Zitat:

Einen sehr guten Single Malt zu destillieren, ist eine Wissenschaft, einen sehr guten Blend zu machen, höchste Kunst. - Samuel Bronfman


St. Kilian Signature Edition Thirteen

SIGNATURE EDITION THIRTEEN

St. Kilian Signature Edition Thirteen sowie das Deconstruction-Set mit den fünf Holzarten

St. Kilian Signature Edition Thirteen:

Die 13. Ausgabe der St. Kilian Signature Edition ist wieder eine rauchige Abfüllung. Seit Beginn der Whisky-Produktion in Rüdenau wurde ein stetig wachsendes Fasslager aufgebaut. Dementsprechend lagerten im Dezember 2022 Fässer aus über 360 verschiedenen Holzarten bei St. Kilian. Aus diesem Fundus an unterschiedlichen Fässern wurden ganz spezielle Vertreter ausgesucht, um ein neues Highlight zu entwickeln.

Was ist beim St. Kilian Signature Edition Thirteen so besonders?

Das Besondere an der rauchigen Signature Edition THIRTEEN ist ihre außergewöhnliche Zusammensetzung. Es handelt sich nämlich um eine Komposition aus fünf verschiedenen Holzarten: Pfälzer und ungarischer Eiche, wilde Robinie (Scheinakazie), Kastanie und Kirsche. Kirsche, Kastanie und die Scheinakazie sind beispielsweise in der schottischen Whisky-Industrie verboten.
Darüber hinaus wurden Destillate aus den Jahren 2016, 2018 und 2019 aus schottischem Torfrauchmalz mit 54 ppm hergestellt. Danach reifte der Alkohol in den fünf jungfräulich-frischen Holzfassarten (mit anderen Worten „Virgin-Woods“) zu einem gehaltvollen, farbintensiven und charakterstarken Single Malt.

Kastanienfässer 2019 bis 2022 / 53,4% ABV – 27% Anteil
Fässer aus Pfälzer Eiche 2018 bis 2022 / 60,6% ABV – 11% Anteil
Kirschfässer 2018 bis 2022 / 61,7% ABV – 3% Anteil
Fässer aus ungarischer Eiche 2016 bis 2022 / 61,3% ABV – 32% Anteil
Fässer aus wilder Robinie bzw. Scheinakazie 2019 bis 2022 / 61,8% ABV – 27% Anteil

Was sind die St. Kilian Signature Editions?

Die St. Kilian Signature Editions sind eine Reihe von limitierten Single Malt Whiskys aus Deutschland, hergestellt von St. Kilian Distillers. Jeder Single Malt Whisky der Signature Edition trägt seine eigene Handschrift ausgewählter Fässer und jedes Batch schmeckt anders und hat einen individuellen Charakter. Hergestellt wird der Whisky bei St. Kilian nach zwei verschiedenen Rezepturen: mild & getorft.

(Die Vorstellung des Thirteen im Online Tasting vom 29. Dezember 2022)

Ob mir dieses weitere Holz-Experiment von Masterdistiller Mario Rudolf zusagt? Wir werden es gleich sehen 😉

Fakten zum St. Kilian Signature Edition Thirteen

Produzent: St. Kilian, Deutschland
Abfüller: OA
Alkoholgehalt: 53,9 % ABV
Inhalt: 0,5 Ltr.
Distilled: 2016/2018/2019
Bottled: 2022
Alter: 3 Jahre
Fass: Pfälzer und ungarischer Eiche, wilde Robinie (Scheinakazie), Kastanie beziehungsweise Kirsche

Meine Notizen

Farbe: Bernstein
Nase: Rauch, Leder, Eiche, Vanille, Maroni, Honigschinken, Haribo Kirschen, geräucherte Kräuter, Banane, Birne, Äpfel
Gaumen: sehr kräftiger Antritt, Rauch, Leder, Kirsche, Karamell, Vanille, sehr cremig, Honig, Schinken, Asche
Abgang: lang – Rauch, Asche, Kirschen, Salz, Eiche

Meine Bewertung: Ich gebe 85 Punkte für den Signature Edition Thirteen von St. Kilian. Dieser rauchige Single Malt Whisky gefällt mir sehr gut. Durch das Tasting-Set mit den unterschiedlichen Holzarten bekommt man einen genialen Einblick in die Arbeit der Blender bei St. Kilian. Weitere Bewertungen dazu gibt es auch wieder auf www.whiskybase.com.

Disclaimer: Die Teilnahme am Online-Tasting und das Deconstruction-Set wurde mir kostenlos von St. Kilian Distillers ermöglicht bzw. zur Verfügung gestellt – Danke dafür. Das Video zum Tasting ist auf YouTube zu finden.

Zum Schluss noch ein Whisky-Zitat:

Ich hätte niemals vom Scotch zu den Martinis gehen sollen. - Humphrey Bogart


Killowen Barántúil Cask 024

Whiskeyfreitag, und heute gibts etwas aus einer der spannendsten Destillerien der Emerald Isle, und zwar von Killowen.

Killowen ist eine der kleinsten Brennereien auf der Insel, sie befindet sich im County Down in den Mourne Mountains, also in Nordirland. Brendan Carty, der Inhaber und Master Distiller, ist einer der ganz wilden Hunde in der irischen Whiskeyszene, den er ist einer der Vorreiter, wenn es darum geht, das „Technical File“ zum Irish Pot Still Whiskey zu ändern.

Was ist denn das? Es gibt so geografisch geschützte Bezeichnungen, wie Wachauer Marille, Steirisches Kürbiskernöl, Südtiroler Speck,……. Und für alle diese geschützten Bezeichnungen gibt es Regeln, die in den „Technical Files“ festgehalten sind. Diese sind manchmal etwas absurd, als Beispiel mag hier dienen, dass Kürbiskernöl aus dem Aichfeld, also der Gegend rund um Judenburg und Knittelfeld zwar aus der Steiermark kommt, aber nicht als Steirisches Kürbiskernöl bezeichnet werden darf. Aber die Kürbiskerne für Steirisches Kürbiskernöl können gerne auch aus gewissen Gegenden des Burgenlandes kommen oder aus Teilen Sloweniens. Das muss man jetzt nicht verstehen, ist aber so.

Und so ähnlich ist die Sache mit dem Irish Pot Still Whiskey, hier wurden die Regeln zu einer Zeit festgelegt, wo es im Grunde nur einen Produzenten dieser Whiskeyart gab, und zwar die Irish Distillers in Midleton. Jetzt hat man dort nachgefragt, was denn Pot Still Whiskey ausmacht, die haben natürlich ihren aktuellen Stand der Dinge weitergegeben.

Tatsache ist aber, dass die Mashbills früher ganz anders ausgesehen haben als die aktuelle Regel: mind. 30% gemälzte Gerste, mind. 30% ungemälzte Gerste, max. 5% anderes Getreide.

Wie kommt man jetzt an diesen Stoff?

Und jetzt ist es so, dass es unglaublich schwer ist, an Ware von Killowen zu kommen, denn Brendan hat eine sehr treue und fast ein wenig fanatische Fangemeinde, den Killowen Kult. Und die kaufen alles auf, was es gibt. Ein Mitglied dieses Kults kommt auch aus dem Pinzgau 😉 Und ich hatte auch etwas Glück.

Warum ist Brendan jetzt ein Rebell? In diesem Fall war es so, dass Brendan 3 Säcke ungemälzte Gerste verwendet hat, 7 Säcke geräuchertes Gerstenmalz (er schreibt von Smoked Malted Barley), 2 Säcke Hafer, 1 Sack Weizen und 1 Sack Roggen. Also auch die Mengenangaben wie früher. Er nennt diesen „Non-GI Pot Sill“ halt dann Mixed Mashbill.

Wer noch mehr über diesen Whiskey erfahren will, hier der Beipackzettel:

Fakten zum Killowen Barántúil Cask 024

Produzent: Killowen Distillery, Killowen, Newry, Northern Ireland
Abfüller: OA
Alkoholgehalt: 60,41 % ABV
Inhalt: 0,5 Ltr.
Distilled: September 2019
Bottled: März 2023
Alter: 3 Jahre
Fass: ex-Bourbon Cask, First Fill

Meine Notizen

Farbe: weißer Spritzer
Nase: süßer Rauch, Birne, Honig, Würze, sehr reichhaltig
Gaumen: cremig, sehr kräftig, Rauch, süß, Thymian, Würze, Salzkaramell, Menthol
Abgang: lang, Rosmarin, Rauch, sehr würzig, Honig, angenehm herb.

Meine Bewertung: Ich gebe 88 Punkte für den Killowen Barántúil Cask 024. Unglaublich spannender und außergewöhnlicher Whiskey, ich freue mich auf mehr. Weitere Bewertungen zu diesem Irish Whiskey gibt es auch wieder auf www.whiskybase.com.

Glen Moray 2006 Curiosity Chenin Blanc

Glen Moray 2006 Curiosity Chenin Blanc

Glen Moray ist eine renommierte Destillerie in der schottischen Speyside, die seit jeher qualitativ hochwertige Whiskys herstellt. Für ihre Experimente mit den unterschiedlichsten Weinfässern ist die Destillerie seit langem bekannt.

Glen Moray 2006 Curiosity Chenin Blanc: Ein besonderes Whisky-Erlebnis

Glen Moray 2006 Curiosity Chenin Blanc ist ein Whisky, der für seine besondere Reifung in Chenin Blanc-Weinfässern bekannt ist. Hier wurde nicht nachgereift, sondern der Whisky verbrachte die gesamte Zeit in den Weinfässern. Diese Art der Reifung ist einzigartig und verleiht dem Whisky eine unverwechselbare Note und Charakteristik. In diesem Artikel werde ich mich genauer mit diesem limitierten Whisky (1.736 Flaschen) beschäftigen und erklären, warum er so besonders ist und warum er es wert ist, ihn zu probieren.

Warum ist die Verwendung von Chenin Blanc-Weinfässern besonders?

Chenin Blanc ist ein Weißwein, der hauptsächlich in Frankreich und Südafrika angebaut wird. Er ist bekannt für seine fruchtigen und süßen Noten, die von Apfel, Pfirsich und Honig geprägt sind. Diese Noten können sich auch auf den Whisky übertragen, wenn er in Chenin Blanc-Weinfässern reift. Diese besondere Art der Reifung verleiht dem Whisky eine fruchtige und süße Note, die ihn von anderen Whiskys unterscheidet.

Glen Moray Curiosity Edition

Die Glen Moray Curiosity Edition ist eine Sammlung von limitierten Single Malt Whiskys, die für ihre experimentellen Reifungen bekannt sind. Eines der Projekte ist das Madeira Cask Project, bei dem ein 13 Jahre alter Single Malt Whisky sein ganzes Leben in handverlesenen Madeira-Fässern verbracht hat. Es gibt auch andere Projekte in der Glen Moray Curiosity Edition, wie zum Beispiel den Glen Moray Elgin Curiosity 2016 Rye Cask Finish, den Glen Moray Elgin Curiosity 2006 Rhum Agricole Cask Finish und eben den Glen Moray Elgin Curiosity 2006 Chenin Blanc Matured.

(Auch Pat Hock verkostet den Glen Moray)

Fakten zum Glen Moray 2006 Curiosity Chenin Blanc

Produzent: Glen Moray, Speyside
Abfüller: OA
Alkoholgehalt: 46,3 % ABV
Inhalt: 0,7 Ltr.
Distilled: 2006
Bottled: 2022 (Bottlecode)
Alter: 15 Jahre
Fass: Chenin Blanc Casks

Meine Notizen

Farbe: Bernstein
Nase: sehr süß, frisch, Schwefel, Honig, Malz, weißer Pfeffer, Rindsuppe, Eiche, Ingwer, gelber Apfel, Minze & Walnuss
Gaumen: süß, kräftig, ölig, Schwefel, weißer Pfeffer, Eiche, Rosinen, weiße Trauben, gelber Apfel, Pfirsich, Melone, Gummibären, mineralisch – Speichelfluss extrem!
Abgang: mittellang – Eiche, Ingwer, süß. Pfirsich, mineralisch

Meine Bewertung: Ich gebe 88 Punkte für den Glen Moray 2006 Curiosity Chenin Blanc. Ich bin grundsätzlich sehr skeptisch, wenn es um Weinreifungen geht, aber hier passt das einfach perfekt für mich! Weitere Bewertungen zu diesem limitierten Speyside Single Malt Whisky gibt es auch wieder auf www.whiskybase.com.

Midleton Very Rare Barry Crockett Legacy

Whiskeyfreitag und noch dazu Osterwochenende? Da muss man dann ja doch etwas ganz Besonderes nehmen. Heute gehts um den Midleton Very Rare Barry Crockett Legacy.

Midleton Very Rare ist klar, das ist sozusagen die „Showcase“ Marke von Irish Distillers. Da gibts jedes Jahr einen Release, der recht gehyped wird, das machen die Leute dort auch recht geschickt, da wird dort mal was veröffentlicht, dann bringt der nächste Shop zwei Wochen später die seinigen Vorräte auf den Markt,…. Also solche Spielchen wie sie natürlich auch die Schotten bestens beherrschen.

Und Barry Crockett war ein legendärer Master Distiller in Midleton, er war der erste „Chef“ der New Midleton Distillery und war insgesamt gezählte 47 Jahre dort, bevor er dann in den wohlverdienten Unruhestand gegangen ist. Er hat auch die Marke Midleton Very Rare, unter Kennern MVR genannt, kreiert und diese mit Leben erfüllt. Und zu seinem Abschied hat er dann seine eigene Reihe bekommen, den MVR Barry Crockett Legacy.

Wo liegt jetzt der Unterschied zwischen den beiden Reihen? Der „normale“ MVR hat immer auch einen deutlichen Sherryeinfluss und es ist ein Blend aus Single Pot Still und Single Grain Whiskeys, alle schon recht alt, da kommt kaum etwas in die Flasche, das unter 20 Jahre alt ist. Der Barry Crockett Legacy ist ein Single Pot Still und hat im Grunde keinen bis sehr wenig Sherryeinfluss, aktuell sind es seasoned and unseasoned American Bourbon Barrels.

Ich habe auf der kürzlich stattgefundenen Village in Nürnberg die beiden aktuellen MVRs querverkostet und mich hat der Barry Crockett einfach mehr überzeugt. Einerseits habe ich aktuell eine Schwäche für ex-Bourbon-Reifungen und andererseits tun dem Barry Crockett die 46% sehr gut im Gegensatz zu den 40% des normalen MVR.

Also musste dann doch ein solches Fläschchen in den Pinzgau, und ja, die Flasche allein ist es ja nicht, schon die Verpackung ist ein wunderbares „Erlebnis“.

Fakten zum Midleton Very Rare Barry Crockett Legacy

Produzent: Midleton Distillery, Midleton, Co. Cork, Republic of Ireland
Abfüller: OA
Alkoholgehalt: 46,0 % ABV
Inhalt: 0,7 Ltr.
Distilled: k.A
Bottled: 2022
Alter: NAS (3 Jahre)
Fass: Seasoned & unseasoned American Bourbon

Meine Notizen

Farbe: Gelbgold
Nase: Kramellkekse, Malzzuckerl, Pfirsich, Mandarine
Gaumen: sehr cremig, Vanille, Shortbread ohne Ende, leicht buttrig mit ebendiesem Butteraroma
Abgang: mittellang, Vanille, Shortbread, Shortbread, Shortbread, Butter

Meine Bewertung: Ich gebe 90 Punkte für den Midleton Very Rare Barry Crockett Legacy. Machen wir es kurz: Der ist ein wahres Gedicht, ich könnte mich hineinlegen. Weitere Bewertungen zu diesem Single Pot Still gibt es auch wieder auf www.whiskybase.com.

Connacht Single Malt Batch One

Whiskeyfreitag, und nach einer Woche Pause wieder mal etwas aus Irland. Es geht in den Westen, und zwar zur Connacht Distillery.

Unweit des imposanten Downpatrick Head befindet sich die 2015 gegründete Brennerei, die in gewisser Weise ein irisch-amerikanisches Gemeinschaftsprojekt darstellt. Hier wird halt deutlich, dass in der Mitte des 19. Jahrhunderts viele Iren in die USA ausgewandert sind, um der großen Hungersnot zu entgehen. In den USA gibt es inzwischen weit mehr irischstämmige Menschen als in Irland.

Jetzt hat man auf der Village in Nürnberg vernommen, das Mareike Spitzer ein Connacht Single Cask herausbringt, verkosten durfte ich es auch schon, aber ich stehe nun auf der Warteliste, denn es war nur eine Verkostungsflasche vor Ort, die Lieferung war wohl irgendwo auf dem Weg von Irland nach Deutschland. Und wenn dann schon mal ein Single Cask rauskommt, dann sollte doch dringendst mal der erste reguläre Release von Connacht besprochen werden.

Connacht ist übrigens eine der vier historischen Provinzen der irischen Insel, sie deckt sozusagen den Nordwesten ab. Die anderen drei Provinzen sind Ulster im Norden, Leinster im Südosten und Munster im Südwesten.

Im Jahr 2021 wurde Batch 1 des Connacht Single Malt als erster regulärer Release der Brennerei auf den Markt gebracht, davor wurde schon mit gesourctem Whiskey unter der Marke „Spade & Bushel“ gearbeitet. So eine Brennerei ist eben auch teuer und der Betrieb will auch finanziert werden.

Der Batch 1 ist interessanterweise ein singulärer Whiskey, denn laut meinen Informationen sollte kein weiteres Batch mehr folgen, aber wie genau die Veröffentlichungspolitik dort aussieht, kann ich aktuell auch nicht sagen.

Gleich vorab gesagt: Für einen Whiskey mit Sherryeinfluss ist die Farbe schon sehr hell.

Fakten zum Connacht Single Malt Batch One

Produzent: Connacht Distillery, Belleek, Ballina Co. Mayo, Republic of Ireland
Abfüller: OA
Alkoholgehalt: 47,0 % ABV
Inhalt: 0,7 Ltr.
Distilled: k.A
Bottled: 2021
Alter: 4 Jahre
Fass: Kentucky Bourbon & Oloroso Sherry Barrels

Meine Notizen

Farbe: Cabernet Sauvignon
Nase: Feigen, Datteln, Rumtopf, Powidl durch und durch, sehr süß
Gaumen: etwas sprittig, Vanille, Karamell, etwas floral, ein Hauch Feige, aber nach der Nase sehr überraschend wenig Sherry
Abgang: kurz, Vanille, Datteln, Staub

Meine Bewertung: Ich gebe 81 Punkte für den Connacht Single Malt Batch One. Mich freut es immer wenn neue Brennereien eigenen Whiskey auf den Markt bringen. Hier ist definitiv Potential vorhanden. Weitere Bewertungen zu diesem Single Pot Still gibt es auch wieder auf www.whiskybase.com.

Jameson Single Pot Still

Heute fällt der Whiskeyfreitag zufälligerweise auch noch auf den St. Patrick´s Day, somit muss es ein Ire sein. Und welche Marke wird mehr mit Irish Whiskey in Verbindung gebracht als Jameson?

Der Jameson Single Pot Still kam letztes Jahr heraus, und die Bezeichnung „Batch 1/2022“ lässt darauf schließen, dass dies nicht die letzte Abfüllung dieser Reihe sein sollte.

Jetzt fragt man sich natürlich, warum man zwingend einen Jameson Pot Still Whiskey rausbringen muss, wo doch von Midleton aus die hervorragende Redbreast Serie die Welt erobert, und diese Marke sozusagen fast schon als Synonym für Pot Still Irish Whiskey steht. Auch von Power´s gibt ein paar sehr gute Pot Still Whiskeys, siehe Power´s John´s Lane, den ich in Kürze auch noch verkosten muss. Der irische Whiskey-Revoluzzer Fionnán O´Connor sagt auch, dass dies hervorragende Whiskeys sind, auch wenn er sich andere Mashbills für den Pot Still Whiskey wünscht als die klassischen 70:30 (also mindestens 30%, maximal 70% gemälzte bzw. ungemälzte Gerste, max. 5% anderes Getreide wie Roggen, Weizen, Hafer,…).

Von der Markenführung her ist es sicherlich schwierig, aber primär zielt dieser Whiskey natürlich auf den Heimatmarkt ab, und von dort aus schaut man dann weiter, das ist zumindest mein Eindruck. Hier gehts eher um die Pflege der eigenen Geschichte. Denn bevor sich die Cork Whiskey Company, John Jameson & Son sowie John Power & Son 1966 zu Irish Disillers zusammengeschlossen haben und dann später vor allem die Marke Jameson über einen Blended Whiskey gepusht haben, wurde in allen Häusern ein Pot Still Irish Whiskey hergestellt. Und das muss natürlich auch irgendwie gefeiert werden.

Dieser Single Pot Still ist wird noch als Five Oak Cask Release vermarktet, also handelt es sich um ein Vatting aus Whiskey, der vorher in European Oak, Irish Oak, American Virgin Oak, ex-Bourbon casks und ex-Sherry casks gelagert wurde.

Ein leichter Overkill an Fassarten, aber wenns schmeckt, fragt niemand mehr nach.

Fakten zum Jameson Single Pot Still

Produzent: Midleton Distillery, Midleton, Co. Cork, Republic of Ireland
Abfüller: OA
Alkoholgehalt: 46,0 % ABV
Inhalt: 0,7 Ltr.
Distilled: k.A
Bottled: 2022
Alter: NAS (3 Jahre)
Fass: European Oak, Irish Oak, American Virgin Oak, ex-Bourbon casks und ex-Sherry casks

Meine Notizen

Farbe: Rotgold
Nase: Rosinen, etwas Leder, Staub, süß, Gummibären, Erdbeeren
Gaumen: langsame Entwicklung, Vanille, Karamell, cremig, süß, Apfel, Walnuss.
Abgang: mittellang, Powidl, Vanille, Holz, etwas Pfeffer

Meine Bewertung: Ich gebe 81 Punkte für den Jameson Single Pot Sill. Midleton besinnt sich seiner Geschichte, wie schön, auch wenn hier noch ein wenig mehr gehen würde. Happy St. Patrick´s Day. Weitere Bewertungen zu diesem Single Pot Still gibt es auch wieder auf www.whiskybase.com.

Thomond Gate Miguel Hogan

Am heutigen Whiskeyfreitag gibts wieder mal einen Thomond Gate.

Wie bereits vor zwei Wochen erwähnt, hat Nick von Thomond Gate im Dezember zwei Abfüllungen herausgebracht, die binnen kürzester Zeit schon ausverkauft waren.

Über seine Pläne, die Stadt Limerick wieder auf die Whiskey-Landkarte zu bringen habe ich ja schon das eine oder andere Mal geschrieben, er verfolgt dieses Ziel mit Verve.

Nick hat es geschafft, sich auf Social Media eine recht breite Fanbase aufzubauen, das muss man ihm lassen, das macht er ähnlich gut wie Brendan Carty von Killowen. Kleine Produzenten können natürlich nicht so viel Geld ins Marketing investieren, da müssen halt andere Methoden her, und wer das geschickt macht, hat sich die Aufmerksamkeit verdient.

Einen Miguel Hogan hatten wir ja schon mal, und genau so wie dieser ist auch der aktuelle wieder mit einem Ruby Port Cask-Finisch versehen. Einerseits kann man hier leicht den Überblick verlieren, andererseits könnte es auch soetwas Ähnliches wie eine Abfüllungsserie darstellen, bezogen auf die Art des Finishes, darüber werde ich mit Nick nochmals plaudern müssen.

Von diesem Tropfen sind 360 Flaschen auf den Markt geworfen worden.

Fakten zum Thomond Gate Miguel Hogan

Produzent: Great Northern Distillery, Dundalk, Republik Irland
Abfüller: The Limerick Spirits Company, TLS
Alkoholgehalt: 59,77 % ABV
Inhalt: 0,7 Ltr.
Distilled: k.A.
Bottled: Dezember 2022
Alter: NAS
Fass: Ruby Port Finish

Meine Notizen

Farbe: Bronze
Nase: Pfirsich, Birne, Banane, Kokos, die Banane auch mal gebacken – wie in China-Restaurants, und wieder Birne
Gaumen: sehr kräftiger Antritt, Birne, Trauben, etwas Eichenwürze, Zimt, Himbeere, Banane
Abgang: lang, Birne, Kakao, nussig, Eiche

Meine Bewertung: Ich gebe 87 Punkte für den Thomond Gate Miguel Hogan. Interessanterweise unterscheidet er sich deutlich vom letzten Miguel Hogan, schmeckt aber auch ähnlich gut. Weitere Bewertungen zu diesem Single Malt Whiskey gibt es auch wieder auf www.whiskybase.com.

Dingle Lá ´le Bríde

Wir haben wieder mal Whiskey Freitag und was liegt da Näher, als wieder mal etwas recht Aktuelles von der Grünen Insel zu verkosten? Die Dingle Distillery hat ja seine Ende letzten Jahres begonnene Wheel of the Year – Serie fortgesetzt, mit dem Dingle Lá ´le Bríde.

Zu Ehren des St. Brigid´s Day, der am 1. Februar begangen wird, wurde dieser Whiskey abgefüllt. Wie üblich ist es für mich nicht ganz einfach, den Namen richtig auszusprechen, denn Gälisch ist jetzt nicht meine Stärke, und es hat so gar keine Verwandtschaft mit den mir geläufigen Sprachen, man kann es also kaum ableiten. Ein Gälischkurs wird also wohl unvermeidbar sein.

Dieser Release stellt den zweiten Teil der achtteiligen Abfüllungsserie Wheel of the Year dar, lt. Graham Coull, dem Master Distiller der Dingle Distillery, wird sich diese Serie über zwei Jahre erstrecken, lt. Adam Riese ergibt das in etwa alle drei Monate eine neue Abfüllung. Teil 2 hat sich daran schon mal ganz gut gehalten.

Dingle hat ja bis dato nie auf Finishes gesetzt, die ganze Small Batch Releases und auch der Core Range Single Malt waren bis dato alles Vattings von Vollreifungen (alles First Fill). Für den Vorgänger, Samhain, wurde erstmal ein Finish angewandt. So wie auch dieses mal. War es letztes mal ein Moscatelfinisch, so handelt es sich diesmal um eines in ex-Rye Fässern.

Auch hier wurden wieder 10000 Flaschen abgefüllt, und dank meiner Schwäche für Dingle bin ich auch wieder an zwei Exemplare gekommen.

Es könnte sein, dass ich bei Dingle nicht ganz objektiv sein kann, wie gesagt, Lieblingsbrennerei und so, aber ich denke, jede Tasting Note an sich ist subjektiv, denn die Geschmäcker sind glücklicherweise verschieden, wäre ja schlimm, wenn wir alle dem gleichen Whisky bzw. Whiskey nachlaufen.

Fakten zum Dingle Lá ´le Bríde

Produzent: Dingle Distillery, Dingle, Co. Kerry, Republic of Ireland
Abfüller: OA
Alkoholgehalt: 50,5 % ABV
Inhalt: 0,7 Ltr.
Distilled: k.A.
Bottled: k.A.
Alter: 3 Jahre (NAS)
Fass: First Fill Bourbon Barrels, Finish in First Fill ex Rye Fässern

Meine Notizen

Farbe: gelber Muskateller
Nase: würzig, leicht säuerlich, Karamell, Soletti, süß, Zitrus, Obstsalat
Gaumen: süß, Vanille, leicht säuerlich, Honig, etwas Eiche, Kokos
Abgang: mittellang, Roggenwürze, Honig, Banane

Meine Bewertung: Ich gebe 87 Punkte für den Dingle Samhain. Süß und säuerlich zugleich. Sonst tu ich mir mit Rye-Vorbelegung etwas schwer, aber das passt sehr gut. Weitere Bewertungen zu diesem Single Malt gibt es auch wieder auf www.whiskybase.com.

St. Kilian 2017

St. Kilian 2017 - 5163
St. Kilian 2017 Pfälzer Eiche & ex. Moscatel Finish #5163

Die St. Kilian Brennerei in Rüdenau ist eine deutsche Whisky-Destillerie, die nach schottischer Tradition Single Malt Whisky produziert. Sie wurde 2016 von Andreas Thümmler gegründet und ist die größte Pot-Still-Brennerei Deutschlands. In den letzten Jahren hat sich die Brennerei dem Thema „Online-Tastings“ angenommen und professionalisiert. Ich habe schon an vielen solcher virtuellen Verkostungen teilgenommen, aber die von St. Kilian sind unerreicht. Bild, Ton, das Setting, die Inhalte und die Wissensvermittlung ergeben ein sehr stimmiges Paket. Das letzte dieser Tastings fand Ende 2022 statt, wo es zum Beispiel auch den St. Kilian 2017 #5163 zu verkosten gab.

St. Kilian 2017: Hand-Filled Distillery Only

Wie in vielen Whisky-Brennereien auf der ganzen Welt, gibt es auch in Rüdenau sogenannte „Hand-Filled Distillery Only“ Whiskys zu kaufen. Dazu werden besondere Fässer ausgewählt und exklusiv den Besuchern der Brennerei zum Kauf angeboten. Der St. Kilian 2017 #5163 stammt aus so einem speziellen Fass, welches eigentlich nur in der Brennerei verkauft wurde. Warum „eigentlich“? Zum Onlinetasting am 29. Dezember 2022 wurde der Single Malt Whisky aus diesem Fass nämlich gemeinsam verkostet und anschließend im Onlineshop verkauft. Lange war dieser Dram erwartungsgemäß nicht verfügbar.

St. Kilian 2017: Pfälzer Eiche & ex. Moscatel Finish #5163

Für Whisky-Liebhaber ist es kein Geheimnis, dass die Auswahl und Qualität des Holzes für die Whisky-Fässer ein wichtiger Erfolgsfaktor für einen gelungenen Whisky-Genuss ist. Bei St. Kilian experimentiert man deshalb von Anfang an mit den unterschiedlichsten Fassarten aus aller Welt. Da die Verwendung der Hölzer in Deutschland nicht so stark reglementiert ist wie in Schottland, ergeben sich daher vielfältige Aromen im flüssigen Endprodukt.

Beim St. Kilian 2017 Pfälzer Eiche & ex. Moscatel Finish #5163 hat man zu Beginn auf die Verwendung von kleinen Fässern aus Pfälzer Eiche gesetzt. Bei der ständigen Qualitätskontrolle hat man dort bemerkt, dass sich der Whisky womöglich in eine ungewollte Richtung entwickelt. Die kleinen Fässer geben natürlich viel mehr Aromen ab und dabei kann es schon mal sehr extrem werden. So entschied man sich bei St. Kilian, die kleinen Fässer in ein großes Moscatel Sherry Fass umzufüllen. Ob sich dieses Umfüllen danach gelohnt hat, werden wir gleich sehen bzw. schmecken ;-).

Fakten zum St. Kilian 2017

Produzent: St. Kilian, Deutschland
Abfüller: OA
Alkoholgehalt: 60,2% ABV
Inhalt: 0,5 Ltr.
Distilled: 05.04.2017
Bottled: 29.12.0022
Alter: 5 Jahre
Fass: Pfälzer Eiche & ex. Moscatel Finish #5163

Meine Notizen

Farbe: dunkles Kupfer
Nase: Eiche, Likör, Rosinen, Walnüsse, trüber Apfelsaft, Schokolade, Menthol, brauner Zucker, brauner Toast
Gaumen: sehr komplex, cremige Rosinen, Schokolade, Eiche, Kakao, Powidl, sehr süß, Walnüsse
Abgang: lang – Rosinen, Eiche, Zimt, Kakao, Walnüsse, Powidl, leicht bitter

Meine Bewertung: Ich gebe sehr gute 87 Punkte für den St. Kilian 2017 Pfälzer Eiche & ex. Moscatel Finish #5163. Das ist wieder ein spannendes Experiment von Mario Rudolf und Co. Weitere Bewertungen zu diesem Single Malt Whisky gibt es auch wieder auf www.whiskybase.com.

Zu guter Letzt ein Disclaimer: Die Teilnahme am Online-Tasting wurde mir kostenlos von St. Kilian Distillers ermöglicht – Danke dafür. Das Video zum Tasting ist auf YouTube zu finden.