Littlemill

Die Littlemill Distillery gehört zu den faszinierendsten und zugleich tragischsten Kapiteln der schottischen Whiskygeschichte. Gelegen in Bowling, West Dunbartonshire, gilt sie vielen Experten als eine der ältesten offiziellen Destillerien Schottlands. Heute trägt Littlemill stolz den Status einer Lost Distillery (geschlossene Brennerei). Die verbliebenen, raren Abfüllungen sind unter Sammlern und Genießern weltweit heiß begehrt und wahre Raritäten auf dem Whiskymarkt.

Die Geschichte von Littlemill: Eine der ältesten Brennereien Schottlands

Die Wurzeln der Littlemill Brennerei reichen weit zurück. Offiziellen Aufzeichnungen zufolge wurde sie im Jahr 1772 gegründet, doch es gibt Hinweise darauf, dass vor Ort bereits deutlich früher – eventuell ab 1750 – illegal Whisky gebrannt wurde. Littlemill lag geografisch an der Grenze zwischen den Highlands und den Lowlands, wurde jedoch traditionell den Lowlands zugeordnet.

Über die Jahrhunderte wechselte die Destillerie mehrfach den Besitzer. Zu den prägendsten Figuren gehörte Duncan Thomas, der die Brennerei in den 1930er- Jahren übernahm. Thomas war ein Innovator der Whisky-Industrie: Er führte bei Littlemill neue, innovative Brennblasen ein (eine Kombination aus Pot Stills mit Rektifikationskolonnen), die es erlaubten, den Alkoholgehalt und den Stil des Whiskys präzise zu steuern.

Einzigartiger Brennstil und historische Gebäude

Im Gegensatz zu vielen typischen Lowland-Destillerien, die für ihre dreifache Destillation bekannt sind, setzte Littlemill über weite Strecken auf eine zweifache Destillation, experimentierte jedoch temporär mit verschiedenen Stilen. Unter anderem wurden hier drei völlig unterschiedliche Whiskys produziert:

  • Littlemill: Der klassische, leicht florale und fruchtige Lowland-Single-Malt.
  • Dunglas: Ein stark getorfter (peated) Single Malt (produziert bis 1972).
  • Bowling: Eine besonders leichte Variante.

Auch architektonisch war die Anlage von historischer Bedeutung. Einzelne erhaltene Gebäude der Brennerei zeugen von der traditionellen Industriearchitektur und wurden aufgrund ihres historischen Wertes in die schottischen Denkmallisten der Kategorie B einsortiert (Statutory List of Buildings of Special Architectural or Historic Interest).

Das tragische Ende einer Ära

Nach einer wechselvollen Geschichte und mehreren Schließungen wurde die Produktion im Jahr 1994 endgültig eingestellt. Das endgültige, traurige Aus für die physische Brennerei folgte jedoch erst zehn Jahre später: Im Jahr 2004 zerstörte ein verheerendes Großfeuer die historischen Gebäude nahezu vollständig. Was nicht vom Feuer vernichtet wurde, musste im Anschluss abgerissen werden. Heute stehen am ehemaligen Standort in Bowling Wohngebäude – nur wenige Überreste erinnern noch an die einstige Whisky-Ikone.

Littlemill Single Malt heute: Begehrte Raritäten für Sammler

Da die Destillerie physisch nicht mehr existiert und keine neuen Fässer mehr befüllt werden können, sind die verbleibenden Bestände streng limitiert. Die verbliebenen Fassreserven werden heute von der Loch Lomond Group verwaltet, die in unregelmäßigen Abständen streng limitierte, hochpreisige Originalabfüllungen im Alter von über 25, 30 oder gar 40 Jahren auf den Markt bringt.

Typisches Geschmacksprofil von Littlemill Whiskys:

  • Aroma: Frisch, floral, Noten von Zitrusfrüchten, grünem Apfel und sanftem Honig.
  • Geschmack: Leicht und cremig auf der Zunge, mit Nuancen von Vanille, Malz, subtilen Gewürzen und einer typisch grasigen Lowland-Note.
  • Abgang: Mittellang, sauber, mit einer eleganten Trockenheit und sanften Eichennoten.

Für Whiskyliebhaber ist die Verkostung eines Littlemill Single Malts wie eine Zeitreise in die Vergangenheit der schottischen Brennkunst – ein flüssiges Denkmal einer unvergessenen Destillerie.

Ein Paradies für Künstler

Als der berühmte Whisky-Chronist Alfred Barnard die Brennerei Mitte der 1880er-Jahre für sein Buch „The Whisky Distilleries of the United Kingdom“ besuchte, zeigte er sich nicht nur von der Technik, sondern vor allem von der idyllischen Lage in Bowling am Fuße der Kilpatrick Hills begeistert. Er beschrieb die Umgebung wegen ihrer sanften Hügel, der mit Sommerrosen bewachsenen Hecken und der klaren Bergbäche als „…a perfect paradise to artists“ (ein perfektes Paradies für Künstler). Zu dieser Zeit produzierte Littlemill unter der Leitung der Familie Hay rund 150.000 Gallonen Whisky pro Jahr.

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