North of Scotland

Die North of Scotland Distillery (gelegentlich auch unter dem Namen der Betreibergesellschaft North of Scotland Distilling Co. geführt) war eine der am kürzesten existierenden Grain-Brennereien Schottlands. Gelegen in Cambus, Clackmannanshire (Lowlands), steht ihre Geschichte stellvertretend für den gewaltigen Whisky-Boom der Spätfünfziger und den darauffolgenden dramatischen Einbruch der Industrie in den 1980er-Jahren.

Vom Bier zum Malt – und die Sache mit dem Denkmalschutz

Die Brennerei entstand nicht auf der grünen Wiese, sondern wurde 1957 von George P. Christie gegründet, der dafür die Gebäude der alten Robert Knox’s Forth Brewery (gegründet 1786) für rund 10.000 Pfund kaufte.

Beim Umbau stieß Christie jedoch sofort auf ein skurriles, bürokratisches Problem:

Die „Brennblasen im Keller“-Anekdote: Christie hatte die Rechnung ohne den lokalen Denkmalschutz gemacht. Teile der alten Brauerei standen unter Kategorie-B-Schutz, und die Behörden verboten ihm strikt, das Dach des Gebäudes auch nur um einen Meter anzuheben. Die bestellten Patent Stills (Säulenbrennblasen) waren jedoch viel zu hoch für das bestehende Gebäude. Christies pragmatische Lösung: Er ließ kurzerhand tiefe Gruben in den Fabrikboden graben, um die riesigen Brennsäulen nach unten hin zu versenken, damit sie unter das historische Dach passten.

Der Namenswirrwarr: Strathmore vs. North of Scotland

Zu Beginn installierte Christie zwei klassische Pot Stills und produzierte ab 1958 einen Single Malt namens Strathmore.

Da Ende der 1950er-Jahre die Nachfrage nach Grain Whisky für die großen Blends der Industrie jedoch rasant in die Höhe schoss, stellte Christie den Betrieb blitzschnell um. Bereits 1959 flogen die kupfernen Malt-Brennblasen wieder raus und wurden durch drei Patent Stills zur Grain-Produktion ersetzt. Ab diesem Zeitpunkt wurde der leichte Grain Whisky unter den Marken „North of Scotland“ und „Alloa“ vertrieben.

Pioniergeist und Innovation

Trotz ihrer kurzen Lebensdauer war die Brennerei in den 1960er-Jahren für ihren Innovationsgeist bekannt. So experimentierte man unter anderem mit der Produktion von reinem Single Grain Whisky, der zu 100 % aus gemälzter Gerste (malted barley) bestand, was für Grain-Brennereien (die meist ungemälztes Getreide wie Weizen oder Mais nutzen) extrem ungewöhnlich war. Dies verlieh dem Destillat ein außergewöhnlich cremiges und komplexes Geschmacksprofil.

Das frühe Ende und das heutige Erbe

Der Whisky-Boom hielt nicht ewig. In den späten 1970er-Jahren litt die schottische Whisky-Industrie unter massiver Überproduktion („Whisky Loch“).

  • 1980: Die Produktion bei North of Scotland wird nach nur 23 Jahren endgültig eingestellt.
  • 1982: Die Anlage wird an die mächtige Distillers Company Ltd. (DCL) verkauft – die Eigentümerin der direkt benachbarten, riesigen Cambus-Brennerei.
  • 1993: Die Brennerei wird weitgehend abgerissen.

Was heute noch übrig ist: Die alten Lagerhäuser (Bonded Warehouses) überlebten den Abriss und wurden in den riesigen Lagerkomplex der Cambus-Brennerei integriert, der heute zu Diageo gehört und als aktives Fasslager genutzt wird.

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