Banff Distillery

Von Site of former Banff Distillery by Anne Burgess, CC BY-SA 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=107247034

Steckbrief

  • Region: Highlands (Eastern Highlands / Grenze zur Speyside)
  • Status: Geschlossen / Abgerissen (Lost Distillery)
  • Gründungsjahr: 1824 (durch Major James McKilligan)
  • Schließungsjahr: 1983 (Mothballed wegen Überproduktion und Wasserproblemen)
  • Letzter Eigentümer: Diageo (vormals DCL / United Distillers)
  • Hausstil: Komplex, wachsig, leicht rauchig, ölig-fruchtig mit floralen Noten und mineralischem Charakter.

Geschichte & Herkunft

Die Destillerie Banff gilt in der Fachwelt als die unglücklichste und am meisten vom Pech verfolgte Brennerei in der gesamten schottischen Whiskygeschichte. Ihre Historie ist eine dramatische Aneinanderreihung von Bränden, Explosionen und sogar einem Kriegsangriff.

Die Anfänge und der Umzug (1824–1863)

Daher lässt sich die Geschichte der Brennerei bis ins Jahr 1824 zurückverfolgen, als James McKilligan den Betrieb an den Mains of Colleonard unter dem Namen „Mill of Banff“ gründete. Nachdem das Unternehmen in den folgenden Jahrzehnten mehrere Besitzerwechsel durchlaufen hatte, übernahm schließlich die Familie Simpson in den 1850er Jahren die Leitung.

Da die Kapazitäten vor Ort jedoch begrenzt waren, entschied sich James Simpson Jr. im Jahr 1863 dazu, die gesamte Produktion an einen neuen Standort in Inverboyndie zu verlegen. Diese neue Lage direkt an der schottischen Nordseeküste bot zudem einen entscheidenden Vorteil: Sie sicherte der Brennerei eine hervorragende Kühlwasserquelle durch den Boyndie Burn. Darüber hinaus ermöglichte der Standort einen direkten Anschluss an die Great North of Scotland Railway, wodurch der Abtransport der Fässer nachhaltig revolutioniert wurde.

Die „vom Pech verfolgte“ Destillerie

Kaum am neuen Standort etabliert, begann eine beispiellose Pechsträhne:

  • 9. Mai 1877 (Der erste Großbrand): Ein verheerendes Feuer zerstörte fast die gesamte Produktionsstätte. Nur die Malzböden und die Lagerhäuser blieben verschont. Besitzer James Simpson baute die Brennerei innerhalb von nur sechs Monaten wieder auf und stationierte vorsorglich eine eigene Feuerwehrspritze auf dem Gelände. Quelle
  • 1922 (Knapp am Ruin vorbei): Ein weiteres Feuer brach nahe dem Stillhouse aus, konnte jedoch durch das schnelle Eingreifen lokaler Soldaten (Cameron Highlanders) rechtzeitig gelöscht werden. Quelle
  • 16. August 1941 (Der Bombenangriff der Luftwaffe): Während des Zweiten Weltkriegs wurde die zu dem Zeitpunkt stillgelegte Brennerei von einem deutschen Junkers Ju-88 Bomber ins Visier genommen. Ein Volltreffer zerstörte das Warehouse No. 12 völlig. Tausende Gallonen brennender Whisky flossen in die umliegenden Bäche und Felder. Lokale Chroniken berichten von Enten und Kühen auf den benachbarten Weiden, die durch das kontaminierte Wasser tagelang so betrunken waren, dass sie nicht mehr gemolken werden konnten. Quelle
  • 3. Oktober 1959 (Die Explosion im Stillhouse): Während Reparaturarbeiten in der brennereifreien Zeit entzündeten sich Alkoholdämpfe im Inneren einer Brennblase. Die resultierende Explosion zerstörte die Spirit Still und beschädigte weite Teile des Gebäudes. Wie durch ein Wunder wurde niemand schwer verletzt. Quelle

Das bittere Ende (1983–1991)

Trotz aller Rückschläge überstand Banff das 19. und fast das gesamte 20. Jahrhundert. Doch die weltweite Whiskykrise der frühen 1980er Jahre („Whisky Loch“) besiegelte ihr Schicksal. Der damalige Eigentümer Distillers Company Limited (DCL) entschied sich im Jahr 1983, die Produktion für immer einzustellen.

Die Ironie der Geschichte: Selbst nach der Schließung blieb das Pech treu. Während die Gebäude in den Folgejahren schrittweise abgerissen wurden, fingen die allerletzten verbliebenen Lagerhäuser im Jahr 1991 erneut Feuer und brannten nieder. Heute erinnern nur noch wenige Mauerreste in Inverboyndie an die einstige Brennerei.

Produktion & Charakter

Bis zum Jahr 1924 war Banff vor allem für eine dreifache Destillation (Triple Distillation) bekannt, ähnlich wie es heute noch in den Lowlands oder bei Springbank für den Hazelburn praktiziert wird. Erst danach stellte man die Produktion auf das heute übliche, zweistufige Verfahren um.

Obwohl der Single Malt heute unter Kennern geschätzt wird, wurde der Whisky von Banff zu Lebzeiten der Brennerei kaum als eigenständige Marke vermarktet. Stattdessen floss fast die gesamte Produktion in bekannte Blended Scotch Whiskys. Hierzu gehörten beispielsweise die weltweit gefragten Blends von Johnnie Walker oder Slater Rodger.

Der Geschmack von Banff

Whisky-Connaisseure schätzen Banff heute als absoluten Geheimtipp. Der Charakter des Malts unterscheidet sich deutlich von modernen Whiskys:

  • Nase: Reife Äpfel, florale Noten (Heidekraut), kombiniert mit einer dezenten, alten Rauchigkeit.
  • Gaumen: Sehr ölig, schwer und wachsig. Oft zeigen sich metallische oder mineralische Noten (typisch für alte Küstenbrennereien), gepaart mit einer feinen Süße von Honig und Senfsaat.
  • Abgang: Trocken, langanhaltend und würzig.

Markt & Verfügbarkeit

Da die Brennerei seit über vier Jahrzehnten geschlossen ist und die letzten Fassbestände bei Bränden vernichtet oder längst abgefüllt wurden, gehört Banff heute zu den seltensten Whiskys der Welt.

  • Offizielle Abfüllungen: Es gibt so gut wie keine offiziellen Eigentümer-Abfüllungen. Die bekannteste und gesuchteste ist der Banff 21 Jahre aus Diageos eingestellter Rare Malts Selection (z. B. der legendäre 1982er Vintage, abgefüllt 2004).
  • Unabhängige Abfüllereien: Der Großteil der heute noch existierenden Flaschen stammt von renommierten unabhängigen Abfüllern wie Signatory Vintage, Gordon & MacPhail, Cadenhead’s oder Douglas Laing.
  • Preisentwicklung: Flaschen von Banff sind reine Sammlerobjekte und High-End-Raritäten. Auf Auktionen erzielen sie regelmäßig Preise im vierstelligen Euro-Bereich – Tendenz stark steigend, da der verbleibende weltweite Bestand unaufhaltsam gegen Null geht.

“The Distillery is a compact block of substantial stone buildings, built in the form of a square. […] The Still-room contains three old Wash and Spirit Stills, fitted with all the modern improvements. The Whisky made here is pure Malt, and is principally sold in London, Leith, and Aberdeen. It is a first-class Highland Whisky, and commands a very high reputation in the market.”

Alfred Barnard, The Whisky Distilleries of the United Kingdom (1887)

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North of Scotland

Die North of Scotland Distillery (gelegentlich auch unter dem Namen der Betreibergesellschaft North of Scotland Distilling Co. geführt) war eine der am kürzesten existierenden Grain-Brennereien Schottlands. Gelegen in Cambus, Clackmannanshire (Lowlands), steht ihre Geschichte stellvertretend für den gewaltigen Whisky-Boom der Spätfünfziger und den darauffolgenden dramatischen Einbruch der Industrie in den 1980er-Jahren.

Vom Bier zum Malt – und die Sache mit dem Denkmalschutz

Die Brennerei entstand nicht auf der grünen Wiese, sondern wurde 1957 von George P. Christie gegründet, der dafür die Gebäude der alten Robert Knox’s Forth Brewery (gegründet 1786) für rund 10.000 Pfund kaufte.

Beim Umbau stieß Christie jedoch sofort auf ein skurriles, bürokratisches Problem:

Die „Brennblasen im Keller“-Anekdote: Christie hatte die Rechnung ohne den lokalen Denkmalschutz gemacht. Teile der alten Brauerei standen unter Kategorie-B-Schutz, und die Behörden verboten ihm strikt, das Dach des Gebäudes auch nur um einen Meter anzuheben. Die bestellten Patent Stills (Säulenbrennblasen) waren jedoch viel zu hoch für das bestehende Gebäude. Christies pragmatische Lösung: Er ließ kurzerhand tiefe Gruben in den Fabrikboden graben, um die riesigen Brennsäulen nach unten hin zu versenken, damit sie unter das historische Dach passten.

Der Namenswirrwarr: Strathmore vs. North of Scotland

Zu Beginn installierte Christie zwei klassische Pot Stills und produzierte ab 1958 einen Single Malt namens Strathmore.

Da Ende der 1950er-Jahre die Nachfrage nach Grain Whisky für die großen Blends der Industrie jedoch rasant in die Höhe schoss, stellte Christie den Betrieb blitzschnell um. Bereits 1959 flogen die kupfernen Malt-Brennblasen wieder raus und wurden durch drei Patent Stills zur Grain-Produktion ersetzt. Ab diesem Zeitpunkt wurde der leichte Grain Whisky unter den Marken „North of Scotland“ und „Alloa“ vertrieben.

Pioniergeist und Innovation

Trotz ihrer kurzen Lebensdauer war die Brennerei in den 1960er-Jahren für ihren Innovationsgeist bekannt. So experimentierte man unter anderem mit der Produktion von reinem Single Grain Whisky, der zu 100 % aus gemälzter Gerste (malted barley) bestand, was für Grain-Brennereien (die meist ungemälztes Getreide wie Weizen oder Mais nutzen) extrem ungewöhnlich war. Dies verlieh dem Destillat ein außergewöhnlich cremiges und komplexes Geschmacksprofil.

Das frühe Ende und das heutige Erbe

Der Whisky-Boom hielt nicht ewig. In den späten 1970er-Jahren litt die schottische Whisky-Industrie unter massiver Überproduktion („Whisky Loch“).

  • 1980: Die Produktion bei North of Scotland wird nach nur 23 Jahren endgültig eingestellt.
  • 1982: Die Anlage wird an die mächtige Distillers Company Ltd. (DCL) verkauft – die Eigentümerin der direkt benachbarten, riesigen Cambus-Brennerei.
  • 1993: Die Brennerei wird weitgehend abgerissen.

Was heute noch übrig ist: Die alten Lagerhäuser (Bonded Warehouses) überlebten den Abriss und wurden in den riesigen Lagerkomplex der Cambus-Brennerei integriert, der heute zu Diageo gehört und als aktives Fasslager genutzt wird.

Littlemill

Die Littlemill Distillery gehört zu den faszinierendsten und zugleich tragischsten Kapiteln der schottischen Whiskygeschichte. Gelegen in Bowling, West Dunbartonshire, gilt sie vielen Experten als eine der ältesten offiziellen Destillerien Schottlands. Heute trägt Littlemill stolz den Status einer Lost Distillery (geschlossene Brennerei). Die verbliebenen, raren Abfüllungen sind unter Sammlern und Genießern weltweit heiß begehrt und wahre Raritäten auf dem Whiskymarkt.

Die Geschichte von Littlemill: Eine der ältesten Brennereien Schottlands

Die Wurzeln der Littlemill Brennerei reichen weit zurück. Offiziellen Aufzeichnungen zufolge wurde sie im Jahr 1772 gegründet, doch es gibt Hinweise darauf, dass vor Ort bereits deutlich früher – eventuell ab 1750 – illegal Whisky gebrannt wurde. Littlemill lag geografisch an der Grenze zwischen den Highlands und den Lowlands, wurde jedoch traditionell den Lowlands zugeordnet.

Über die Jahrhunderte wechselte die Destillerie mehrfach den Besitzer. Zu den prägendsten Figuren gehörte Duncan Thomas, der die Brennerei in den 1930er- Jahren übernahm. Thomas war ein Innovator der Whisky-Industrie: Er führte bei Littlemill neue, innovative Brennblasen ein (eine Kombination aus Pot Stills mit Rektifikationskolonnen), die es erlaubten, den Alkoholgehalt und den Stil des Whiskys präzise zu steuern.

Einzigartiger Brennstil und historische Gebäude

Im Gegensatz zu vielen typischen Lowland-Destillerien, die für ihre dreifache Destillation bekannt sind, setzte Littlemill über weite Strecken auf eine zweifache Destillation, experimentierte jedoch temporär mit verschiedenen Stilen. Unter anderem wurden hier drei völlig unterschiedliche Whiskys produziert:

  • Littlemill: Der klassische, leicht florale und fruchtige Lowland-Single-Malt.
  • Dunglas: Ein stark getorfter (peated) Single Malt (produziert bis 1972).
  • Bowling: Eine besonders leichte Variante.

Auch architektonisch war die Anlage von historischer Bedeutung. Einzelne erhaltene Gebäude der Brennerei zeugen von der traditionellen Industriearchitektur und wurden aufgrund ihres historischen Wertes in die schottischen Denkmallisten der Kategorie B einsortiert (Statutory List of Buildings of Special Architectural or Historic Interest).

Das tragische Ende einer Ära

Nach einer wechselvollen Geschichte und mehreren Schließungen wurde die Produktion im Jahr 1994 endgültig eingestellt. Das endgültige, traurige Aus für die physische Brennerei folgte jedoch erst zehn Jahre später: Im Jahr 2004 zerstörte ein verheerendes Großfeuer die historischen Gebäude nahezu vollständig. Was nicht vom Feuer vernichtet wurde, musste im Anschluss abgerissen werden. Heute stehen am ehemaligen Standort in Bowling Wohngebäude – nur wenige Überreste erinnern noch an die einstige Whisky-Ikone.

Littlemill Single Malt heute: Begehrte Raritäten für Sammler

Da die Destillerie physisch nicht mehr existiert und keine neuen Fässer mehr befüllt werden können, sind die verbleibenden Bestände streng limitiert. Die verbliebenen Fassreserven werden heute von der Loch Lomond Group verwaltet, die in unregelmäßigen Abständen streng limitierte, hochpreisige Originalabfüllungen im Alter von über 25, 30 oder gar 40 Jahren auf den Markt bringt.

Typisches Geschmacksprofil von Littlemill Whiskys:

  • Aroma: Frisch, floral, Noten von Zitrusfrüchten, grünem Apfel und sanftem Honig.
  • Geschmack: Leicht und cremig auf der Zunge, mit Nuancen von Vanille, Malz, subtilen Gewürzen und einer typisch grasigen Lowland-Note.
  • Abgang: Mittellang, sauber, mit einer eleganten Trockenheit und sanften Eichennoten.

Für Whiskyliebhaber ist die Verkostung eines Littlemill Single Malts wie eine Zeitreise in die Vergangenheit der schottischen Brennkunst – ein flüssiges Denkmal einer unvergessenen Destillerie.

Ein Paradies für Künstler

Als der berühmte Whisky-Chronist Alfred Barnard die Brennerei Mitte der 1880er-Jahre für sein Buch „The Whisky Distilleries of the United Kingdom“ besuchte, zeigte er sich nicht nur von der Technik, sondern vor allem von der idyllischen Lage in Bowling am Fuße der Kilpatrick Hills begeistert. Er beschrieb die Umgebung wegen ihrer sanften Hügel, der mit Sommerrosen bewachsenen Hecken und der klaren Bergbäche als „…a perfect paradise to artists“ (ein perfektes Paradies für Künstler). Zu dieser Zeit produzierte Littlemill unter der Leitung der Familie Hay rund 150.000 Gallonen Whisky pro Jahr.

Ben Wyvis

Der ultra-rare Geist der Invergordon-Brennerei

Die Ben Wyvis Distillery (nicht zu verwechseln mit einer gleichnamigen historischen Brennerei aus dem 19. Jahrhundert in Dingwall) nimmt in der Whiskywelt einen fast schon mystischen Status ein. Sie war keine freistehende Destillerie, sondern eine eigenständige Malt-Brennerei, die innerhalb des riesigen Invergordon-Grain-Brennereikomplexes in den Highlands betrieben wurde. Mit einer aktiven Produktionszeit von kaum mehr als einem Jahrzehnt gehört Ben Wyvis zu den seltensten Single Malts der gesamten schottischen Whiskygeschichte.

Das In-House-Experiment der Invergordon-Gruppe

Gegründet wurde Ben Wyvis im Jahr 1965 von der Betreibergesellschaft Invergordon Distillers. Das Ziel war rein pragmatisch: Man wollte am eigenen, gigantischen Grain-Standort in Invergordon auch eigenen Malt Whisky produzieren, um diesen flexibel für die hauseigenen Blends (wie den Whyte & Mackay) nutzen zu können.

  • Der Aufbau: Es wurden zwei traditionelle Pot Stills installiert.
  • Die Besonderheit: Um den Charakter des Whiskys exakt zu steuern, stattete man die Brennblasen mit sogenannten Lomond Stills aus. Diese Brennblasen besitzen im Hals verstellbare Kupferplatten, mit denen der Rückfluss des Alkohols reguliert werden kann. Das erlaubte es, je nach Einstellung einen schwereren oder leichteren Whisky-Stil zu erzeugen.

Der Name wurde von dem markanten Berg Ben Wyvis (1.046 Meter) entlehnt, der die Landschaft der Region Easter Ross majestätisch dominiert.

Das verdammt frühe Ende

Das Experiment war von kurzer Dauer. Im Zuge von Rationalisierungen und einer sich abzeichnenden Überproduktion am schottischen Markt entschied die Konzernleitung bereits im November 1976, die Malt-Produktion in Invergordon komplett einzustellen.

Die Brennerei wurde nach nur 11 Jahren geschlossen und die Apparaturen zügig demontiert. Die beiden markanten Lomond-Brennblasen ereilte jedoch ein spannendes zweites Leben: Sie wurden abgebaut und an die Glengyle Distillery in Campbeltown verkauft, wo sie noch heute bei der Produktion des Kilkerran Whiskys im Einsatz sind.

Der Whisky heute: Einer der seltensten Single Malts der Welt

Da Ben Wyvis fast ausschließlich für die Blend-Industrie produziert wurde, gab es während der aktiven Laufzeit der Brennerei keine einzige offizielle Single-Malt-Abfüllung. Nahezu die gesamten Bestände wurden spurlos vermählt.

Erst Jahrzehnte später kamen die winzigen, verbliebenen Restbestände ans Licht:

  • Die offiziellen Raritäten: Der Eigentümer Whyte & Mackay brachte zwischen 1999 und 2002 drei legendäre, offizielle Vintage-Abfüllungen (Jahrgänge 1965, 1968 und 1972) im Alter von über 30 Jahren heraus.
  • Unabhängige Abfüller: Nur ganz vereinzelt gelangten Fässer an unabhängige Häuser wie Signatory Vintage.

Flaschen von Ben Wyvis erzielen auf internationalen Auktionen astronomische Preise im vier- bis fünfstelligen Bereich. Eine Flasche zu besitzen oder auch nur zu verkosten, gleicht in der Whisky-Community einem Lottogewinn.

Das Geschmacksprofil:

  • Aroma: Sehr komplex, intensiv kräuterig, Heidehonig, getrocknete Früchte und eine dezente, alte Holzwürze.
  • Geschmack: Ölig und schwer auf der Zunge, Noten von dunklem Toffee, reifen Pflaumen, Mokka, gefolgt von einer ausgeprägten Erdigkeit.
  • Abgang: Enorm langanhaltend, trocken, von Eichenholz und feinen Gewürzen geprägt.

Pittyvaich

Das modernistische Speyside-Arbeitstier

Die Pittyvaich Distillery in Dufftown, Banffshire (Speyside), teilt das Schicksal einiger Brennereien, die in den Boomphasen der schottischen Whiskygeschichte als reine Produktionsmaschinen konzipiert wurden. Gelegen in der inoffiziellen Whisky-Hauptstadt Dufftown („Rome was built on seven hills, Dufftown stands on seven stills“), existierte Pittyvaich gerade einmal 18 Jahre lang aktiv. Heute ist sie eine geschlossene Legende, deren seltene Restbestände regelmäßig Spitzenpreise erzielen.

Das funktionale Nebenprojekt von Bell’s

Gegründet wurde Pittyvaich im Jahr 1974 von der Firma Arthur Bell & Sons. Sie wurde direkt neben der bereits existierenden Schwesterbrennerei Dufftown Distillery errichtet. Ursprünglich war die Anlage sogar als reine Keksfabrik oder Erweiterung gedacht, wurde dann jedoch als eigenständige Malt-Brennerei konzipiert.

  • Der Zweck: Pittyvaich wurde mit nur einem Ziel gebaut: Massenhaft verlässlichen, qualitativ hochwertigen Speyside Malt für den enorm erfolgreichen Bell’s Blended Scotch zu liefern.
  • Die Architektur: Im Gegensatz zu den romantischen, viktorianischen Nachbarbrennereien besaß Pittyvaich keine Pagodendächer oder historischen Innenhöfe. Sie war ein rein funktionaler, moderner Zweckbau aus Beton und Stahl, optimiert für effiziente Arbeitsabläufe.

Ein kurzes Leben im Schatten der Giganten

Im Jahr 1985 übernahm der Branchenriese United Distillers (heute Diageo) die Brennerei. Unter der neuen Führung experimentierte man bei Pittyvaich kurzzeitig intensiv: Zwischen 1989 und 1991 wurde hier unter anderem der hellbraune, im Geschmack sehr eigenwillige Pittyvaich Gin gebrannt.

Doch die Konsolidierung des Whiskymarktes in den 1990er-Anfängen überforderte die Kapazitäten des Standorts. Da Diageo weltweit über Dutzende Brennereien verfügte, war das gesichtslose Arbeitstier Pittyvaich schlichtweg redundant geworden.

  • 1993: Nach nur 18 Jahren Betrieb wird die Produktion endgültig eingestellt.
  • 2002: Die Brennerei wird offiziell stillgelegt (demolished).
  • 2003: Die Gebäude werden komplett abgerissen. Heute erinnert vor Ort auf dem Gelände der Dufftown-Brennerei nichts mehr an das einstige Werk.

Pittyvaich Single Malt heute: Von der Masse zur Exklusivität

Da Pittyvaich fast ausschließlich für Blends genutzt wurde, gab es während der Lebenszeit der Destillerie nur eine einzige offizielle Single-Malt-Abfüllung: Ein 12-jähriger Whisky in der berühmten Flora & Fauna-Serie von United Distillers, der heute ein gesuchtes Sammlerstück ist.

In den letzten Jahren hat der Eigentümer Diageo das Potenzial der verbliebenen, rar gewordenen Fässer erkannt. Pittyvaich taucht in unregelmäßigen Abständen als streng limitierte, exklusive Abfüllung in den jährlichen Diageo Special Releases auf (oft als fassstarke 28- bis 30-jährige Vintage-Editionen).

Das Geschmacksprofil:

  • Aroma: Typisch Speyside, aber mit einer schweren, intensiven Note. Viel reife Banane, Malz, getrocknete Kräuter und intensiver Blütenhonig.
  • Geschmack: Ölig, kräftig und leicht wachsig. Es dominieren grüne Äpfel, Ingwerwürze, Vanillepudding und geröstete Nüsse.
  • Abgang: Lang, angenehm trocken und deutlich von würziger Eiche und einer feinen Fruchtsüße getragen.